Nach 41 Jahren Alan steht die Grün­der­ge­nera­tion kurz vor dem Renten­ein­tritt. So gese­hen feiern wir dieses Mal ein beson­de­res Jubi­läum. Und es liegt nahe zurück­zu­bli­cken und eine persön­li­che Zwischen­bi­lanz zu ziehen.

Anfang der 80er Jahre, als alles begann, gab es viele gesell­schaft­li­che Um- und Aufbrü­che. Seveso, Gorle­ben, Tscher­no­byl, die geplante Statio­nie­rung atoma­rer Mittel­stre­cken­ra­ke­ten und eine, unsere Ansicht nach, entfrem­dete Arbeits­welt haben poli­ti­siert und die Sozia­li­sie­rung vieler junger Leute geprägt.

Wir waren zwei Frauen und ein Mann und haben in Reut­lin­gen soziale Arbeit studiert. Nicht um soziale Mängel in der Gesell­schaft zu verwal­ten, sondern um die Gesell­schaft so zu gestal­ten, dass die Mängel nach Möglich­keit erst gar nicht entstün­den. Berufs­ver­bote, die Zerschla­gung der geschlos­se­nen Psych­ia­trie in Arezzo und Triest und die Entste­hung alter­na­ti­ver Lebens­ent­würfe in Land­kom­mu­nen und selbst­ver­wal­te­ten Betrie­ben haben uns inspiriert.

Da war es für uns nur folge­rich­tig, dass wir für unser anste­hen­des Prak­ti­kum eine Stelle finden woll­ten, in der wir unsere Ideale einbrin­gen konn­ten. Wir fanden einen Verein in Metzin­gen (ALterna­tive ANsätze e.V.), der mit seinem Konzept geschei­tert war, arbeits­lose Jugend­li­che mit Hilfe tradi­tio­nel­ler Sozi­al­ar­beit in Lohn und Brot zu bekom­men. Um unser Prak­ti­kum durch­füh­ren zu können, muss­ten wir den Verein komplett neu aufstel­len und hatten dadurch völlige Gestaltungsfreiheit.

Wir haben also per Anzeige in der TAZ Menschen gesucht, die selbst­be­stimmt, hier­ar­chie­frei und gleich­be­rech­tigt arbei­ten und ihr Leben gestal­ten woll­ten. In kürzes­ter Zeit habe wir Mitstrei­te­rIn­nen gefun­den, mit denen wir inner­halb unse­res 6‑monatigen Prak­ti­kums den Grund­stein für die heuti­gen ALAN-Betriebe gelegt haben.

Mit viel Ener­gie, und anfäng­lich äußerst prekä­rer Entloh­nung, aber auch immer großem Wohl­wol­len von einem brei­ten Umfeld Inter­es­sier­ter und Gleich­ge­sinn­ter, hat das Grün­dungs­team von 10 Männern und Frauen ein Projekt auf die Beine gestellt, das allen eine Perspek­tive bot, in der Leben und Arbei­ten nicht von gegen­sätz­li­chen Inter­es­sen geprägt war.

Wir haben im Laufe der Jahre viele Ausein­an­der­set­zun­gen geführt und einige Ideale aufge­ge­ben oder an die Reali­tät ‚ange­passt‘. Die ALAN-Betriebe, inzwi­schen 3 eigen­stän­dige Firmen mit ca. 50 festen Arbeits­plät­zen, haben es immer­hin geschafft sich 41 Jahre lang konti­nu­ier­lich zu entwi­ckeln und sich, dank Profes­sio­na­li­tät und Ausstrah­lung eines idea­lis­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis­ses am Markt zu etablieren.

Wir bei Alan-Umzüge sind stolz darauf, dass wir das erreicht haben, ohne unse­ren ursprüng­li­chen Prin­zi­pien untreu zu werden. Und wir können für uns nicht nur in Anspruch nehmen bei unse­ren Kunden und unse­rem profes­sio­nel­len Umfeld höchste Aner­ken­nung zu genie­ßen, sondern auch, dass es vermut­lich nicht sehr viele Betriebe gibt, in denen jeder Mitar­bei­ter ohne finan­zi­elle Betei­li­gung Mitge­sell­schaf­ter werden kann und bei abso­lu­ter Lohn­gleich­heit die Geschi­cke des Betrie­bes gleich­be­rech­tigt mitge­stal­ten kann. Unser Betrieb ist struk­tu­rell und finan­zi­ell so solide aufge­stellt, dass auch unter schwie­ri­gen Umfeld­be­din­gun­gen nie wirt­schaft­lich bedroh­li­che Situa­tio­nen entstan­den sind. Es gibt keine persön­li­chen Eigen­tums­an­sprü­che oder Kapi­tal­ein­la­gen, die beim Ausschei­den Probleme machen könn­ten. Auch der laufende Genera­tio­nen­wech­sel dürfte in wirt­schaft­li­cher Hinsicht keine Probleme berei­ten. Und durch den Erwerb und den Umbau unse­res jetzi­gen Firmen­ge­län­des haben wir eine solide Basis geschaf­fen, die uns eine lang­fris­tige, exis­ten­zi­elle Absi­che­rung bei weitest­ge­hen­der Gestal­tungs­frei­heit bietet.

Der Zeit­punkt für einen schritt­wei­sen Rück­zug aus der Verant­wor­tung könnte kaum güns­ti­ger sein. Und wenn dieser dann noch von dem Gefühl beglei­tet wird, dass sich die inves­tierte Ener­gie gelohnt hat, fällt er umso leichter.

Bernd (Ruhe­ständ­ler in Spe)